Mit großer Ernsthaftigkeit betreiben allerlei Expert*innen ein kurioses Ritual: Sie behaupten, dass ihr Spezialgebiet so bedeutend ist, dass es zum Schulfach werden muss. Umweltschutz, Gesunde Ernährung, Europa – ungefähr wöchentlich werden die Kultusministerien aufgefordert, den Stundenplan um ein Fach zu bereichern. Selbstverständlich auch mit dabei: Künstliche Intelligenz (KI), so beispielsweise kürzlich durch den Informatik-Professor Gerhard Weiss in der Süddeutschen Zeitung.

Dabei wird der übliche Untergangsmodus bemüht: Europa wird hoffnungslos abgehängt, weil US-amerikanische Firmen mehr investieren. Gesteigert wird das bedrohliche Raunen, indem der Professor betont, dass China „massiv“ investiert. Es klingt mehr nach Kriegsrhetorik als Wettbewerb des Marktes, wenn entschlossenes Handeln gefordert wird. Völlig klare Folgerung in seinem Artikel: Die Kinder müssen auf diesen Kampf durch ein Schulfach Künstliche Intelligenz vorbereitet werden.

Seit einigen Jahren dient unter anderem die Künstliche Intelligenz als Begründung, warum weiterhin die staatlichen Milliardenüberschüsse nicht den Ärmeren zukommen können, sondern die Wirtschaft stärken müssen: Sonst könnten wir nicht mit chinesischen Supercomputern konkurrieren. Das kann man aus vielerlei Gründen kritisieren. Zum Beispiel bleibt völlig unklar, ob die Behauptungen der Technik-Unternehmen jemals erfüllt werden. Bisher bietet KI keine revolutionären Fortschritte. Es gibt sogar Anzeichen, dass die Investitionen in KI eher eine Blase sind, die bald platzen wird.