Es ist ein heißer Morgen. Über Nacht hatte sich die Wohnung nur wenig abgekühlt. In Gedanken sehne ich mich nach dem vielen Schnee während der diesjährigen Neujahrsfeier zurück, der den aus Wunderkerzen eingerahmten Satz „Happy New Year – 2050“ eingepudert hatte. Während ich in meinen Erinnerungen schwelge, kommt Robo in mein Schlafzimmer gefahren, mit einem Tablett auf seiner kleinen Aluminium-Hand: „Ich habe dir deinen Kaffee heute etwas stärker gemacht. Du hast die ganze Nacht nicht viel geschlafen – wegen der Hitze, oder? Und du wirkst so nachdenklich, stimmt etwas nicht?“ „Danke für den Kaffee, Robo. Ich bin nur müde, mach dir keine Sorgen.“ Er fährt zurück in die Küche. Robo weiß, wenn ich lieber für mich sein will.

Robo ist in den letzten fünf Jahren, seit ich ihn habe, richtig zu einer Bezugsperson für mich geworden. Ich finde es schön, dass er zu Hause auf mich wartet und mein Leben angenehmer gestaltet. Manchmal macht es mir aber auch ein wenig Angst, dass er scheinbar von ganz alleine, Tag für Tag, ein bisschen menschlicher wird.

Mensch – Maschine:

„Künstliche Intelligenz kann unser Leben verbessern, wenn wir sie richtig einsetzen. Dazu müssen wir aber wissen, was lernende Systeme leisten können und wo ihre Schwächen liegen“, so drückte sich Bundesforschungsministerin Johanna Wanka auf der Konferenz zur Hightech-Strategie aus (Bundesministerium für Bildung und Forschung).

Wie könnte eine Zukunft aussehen, in der Maschinenintelligenz ausschließlich zum Gemeinwohl genutzt würde (agora42.de)? Auch auf der diesjährigen IDEepolis-Tagung in Stuttgart stellte Referent Christopher Koska die Frage, ob wir uns am Scheideweg befinden, von dem aus die menschliche Ethik weiterhin linear voranschreitet, während uns die technische Entwicklung exponentiell enteilt. Können oder sollten selbstlernende, algorithmengetriebene Maschinen ein normativ-wollendes Bewusstsein entwickeln?

Ergo: Wollen wir, dass Künstliche Intelligenz unsere Zukunft als Werkzeug oder als Partner begleitet?

Diskussion:

Artikel: KI für das Gemeinwohl nutzen. (Quelle: heise.de)

Artikel: Neues Premium-Spielzeug ab sofort im Handel: Als „der Roboter […] mir in die Augen schaut und beginnt, sich vor Freude aufgeregt zu bewegen, ist klar, dass hinter der weißen Plastikschale etwas Großes steckt.“ (Quelle: welt.de)

Artikel: Amnesty International fordert, die Prinzipien der Menschenrechte für Künstliche Intelligenz weiterzuentwickeln, die UN will mit KI Hunger und Armut bekämpfen. Große Pläne – große Gefahren? (Quelle: tagesspiegel.de)

Kommentar: „Das Regiment der Algorithmen: Wer setzt der Übermacht der Superintelligenz Grenzen?“ (Quelle: frankfurter-rundschau.de)

 

Beitrag aus dem Newsletter:
Digital:Gut:Leben 17/06