radiogrenzenlos logoJugendliche nutzen Medien wie das Radio meist als KonsumentInnen. Bei Radio Grenzenlos sollten sie selbst eigene Sendungen machen und wurden somit zu ProduzentInnen. Wichtig war dabei die Vermittlung von umfassender Medienkompetenz sowie die Förderung von Eigenständigkeit und Kreativität.

Insgesamt sind/waren 29 Jugendliche im Alter von 16 – 20 Jahren an Radio Grenzenlos beteiligt. Menschen aus zehn verschiedenen Herkunftsländern und mit unterschiedlich langer Aufenthaltsdauer in Deutschland haben teilgenommen.
Das wesentliche Ziel des Projekts war, geflüchteten Schülerinnen und Schülern aus der Vorbereitungsklasse der Mathilde Weber-Schule in Tübingen das Medium Hörfunk zu erschließen und eine aktive Beteiligung am Rundfunk zu ermöglichen. Das Projekt sollte allen Teilnehmenden die Möglichkeit geben, ihr Recht auf freie Meinungsäußerung und gesellschaftliche Teilhabe wahrzunehmen.

Es ging darum, eigene kulturelle Inhalte zu transportieren, Dialoge entstehen zu lassen und um die Überwindung von Grenzen kultureller und sozialer Zuschreibungen. Neben dem Ziel, das Selbstbewusstsein zu stärken, haben die Sendungen den TeilnehmerInnen die Möglichkeit geboten, ihre Kenntnisse der deutschen Sprache zu verbessern. Auf Seiten der HörerInnen sollte das Bewusstsein dafür entstehen, dass Geflüchtete im deutschen Alltag eine feste Größe darstellen und ein Teil der gesellschaftlichen Realität sind.
Radio Grenzenlos verfolgte das Ziel, Vorurteile und Rassismen abzubauen, die Anonymität und Fremdheit des Themas „Flüchtlinge“ für die „deutschen“ HörerInnen zu verringern bzw. für dieses Thema zu sensibilisieren.

Im Projektverlauf ging es darum, Jingles als Erkennungszeichen für die eigenen Sendungen zu produzieren. Diese konkrete, überschaubare Aufgabe war Teil der Unterrichts-Einheit zum digitalen Audioschnitt, bot gleichzeitig aber auch die Möglichkeit, den kreativen Umgang mit Sprache und Geräuschen zu üben. Herausgekommen sind Jingles, die man als wahre Kleinode bezeichnen kann, weil sie voller Kreativität, Humor und Authentizität sind.Die Übungseinheit zum Umgang mit dem mobilen Reportageset beinhaltete die Aufgabe, im und um das Radio Geräusche zu „fangen“. Die Teilnehmenden wurden dazu angehalten,
sowohl vorhandene Geräusche wie Vogelgezwitscher, Bachgeplätscher, Straßenlärm oder Ähnliches aufzunehmen, als auch selbst aktiv zu werden und gezielt Geräusche zu produzieren. Mit viel Enthusiasmus und großem Ideenreichtum gingen die Teams zu Werke.

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Von rhythmischem Klopfen auf ein Garagentor, Fußscharren auf dem Kies, selbstgemachten Tiergeräuschen, Beatboxing, somalischen Hochzeitsträllern oder dem Klang eines Wasserhahns war viel Kreatives zu hören. Beim anschließenden Anhören war das Geräuscheraten ein großer Spaß und eine gute Gelegenheit zu einem Gespräch über bewusste Wahrnehmung und gutes Zuhören – beides sind wichtige Eigenschaften beim Radio machen und Radio hören. Passende Bezeichnungen für die einzelnen Geräusche zu finden, war dann wieder eine sprachliche Herausforderung und fügte dem Wortschatz einige
neue Begriffe hinzu, bis hin zu lautmalerischen Bezeichnungen.

Die Kür der Geräuscheeinheit war der so genannte Remix: Aus den „gefangenen“, gespeicherten und benannten Geräuschen sollten die Teilnehmenden eine Collage machen, bei der die Geräusche gezielt und geballt zu etwas kreativem Neuen kombiniert und montiert werden sollten.
Eine besondere Herausforderung waren die Interviews, mit denen sich die Schülerinnen und Schüler gegenseitig vorstellen sollten. Es war gar nicht so einfach, sich die passenden Fragen auszudenken, damit man die Teilnehmer_innen des Radioprojekts mal kennenlernen kann.
Noch schwieriger war es, die einmal gefundenen Fragen auch noch auf deutsch zu beantworten.
Radio Grenzenlos verbreitete Inhalte rund um interkulturelle Themen. Dabei konnten Jugendliche selbst zu Wort kommen, diskutieren, ihre Musik spielen, über ihre Kultur berichten. Mit einer stärkeren Präsenz von geflüchteten Menschen (bzw. grundsätzlich von marginalisierten gesellschaftlichen Gruppen) im Radio möchten wir deren Position stärken.

Die Redaktion von Radio Grenzenlos hat auf der Webseite des Freien Radios eine eigene Präsenz bekommen, wo Informationen zum Projekt, zur Förderung durch die Jugendstiftung Baden-Württemberg und natürlich die Beiträge zum Anhören und Herunterladen dauerhaft zu finden sind:

Internetseite von Radio Grenzenlos