Welche Relevanz hat Begegnung? In einer Zeit, die geprägt ist von digitaler Kommunikation und von Abstand halten – in einer Zeit zwischen Digitalisierung und Pandemie? Gemeinsam mit neun Autorinnen und Autoren ist die Bischöfliche Medienstiftung dieser Frage nachgegangen und hat ganz aktuell einen neuen Band in ihrer Reihe „Mensch und Digitalisierung“ veröffentlicht. Dieser Band gibt besondere Einblicke und ermöglicht manch überraschende Erkenntnis – denn die Beiträge sind nicht nur in einer außergewöhnlichen Zeit entstanden; die Autorinnen und Autoren blicken aus unterschiedlichsten Perspektiven auf das Geschehen der Begegnung. Zu Wort kommen ein Kinder- und Jugendpsychiater, eine Einsiedlerin, eine Informatikerin, ein Theologieprofessor, ein Erziehungswissenschaftler, eine Expertin für Entwicklungszusammenarbeit, eine Kunst- und Medienwissenschaftlerin, ein Bildungsexperte und eine Pflegewissenschaftlerin.

Die Publikation „Zwischen Digitalisierung und Pandemie – Begegnung neu bewerten“ ist als populärwissenschaftliche Schrift angelegt und will Anregung bieten, über den Wert von Begegnung neu nachzudenken.

Drei kurze Zitate aus dem Inhalt:

Der Tübinger Kinder- und Jugendpsychiater Gottfried Maria Barth schreibt aus seiner Erfahrung: „Begegnungsarmut, unter der unsere Kinder und Jugendlichen lei­den, ist also nicht die oberflächlich sichtbare und politisch erzwungene Begegnungsbeschränkung der Pandemie, sie ist auch nicht die breite Nutzung digitaler Medien in unserer Gesellschaft … Begegnungsarmut ist vielmehr das Nicht-mehr-ernst-nehmen des Gegenübers.“

Die Kunst- und Medienwissenschaftlerin Dominika Szope berichtet beispielhaft von den Entwicklungen und Veränderungen am Zentrum für Kunst und Medien Karlsruhe und spricht von einer hybriden Zukunft: „Nie geht es hierbei um den Ersatz der physischen Begegnung und des physischen Erlebens, notwendig werden aber Erweiterungen der Zugänge und eine Ausgestaltung des neuen und anderen Erlebens – ganz im Sinn der demokratischen Gesellschaft.“

Die Einsiedlerin Maria Anna Leenen aus dem Bistum Osnabrück erfährt Begegnung „als Gnade“ und erzählt von ihrer Erfahrung: „Eine Voraussetzung allerdings unterscheidet eine Begegnung in der Ein­siedelei von anderen Begegnungen. Der Blick auf den Menschen, der kommt, ist ein zutiefst geistlicher. Dieser Mensch, der zu mir kommt und mir begegnen will, ist nicht ein Klient. Er ist kein Kunde, kein Fall, kein Konsument oder Mandant. Er ist Schwester oder Bruder. Und das gilt nicht zusätzlich zu den anderen Vorgaben, die eine gute menschliche Begegnung möglich machen. Dieser Blick muss grundsätzlich sein.“

Klaus Koziol / Manuela Pfann (Hrsg.)
Zwischen Digitalisierung und Pandemie – Begegnung neu bewerten
kopaed-Verlag, ISBN 978-3-96848-019-0